Interview

Kantischülerinnen und Kantischüler an die Universität

Katrin Salathé koordiniert die Begabungsförderung an der KSO (Bild: David Hofmeier)
Katrin Salathé koordiniert die Begabungsförderung an der KSO (David Hofmeier)

An der Kantonsschule Olten werden neue und überregionale Projekte zur Begabungsförderung getestet. Katrin Salathé ist Lehrerin für Wirtschaft und Recht und Koordinatorin für Begabungsförderung an der Kanti Olten. Sie erklärt Förderkurse und das Schülerstudium.

Luc Capus

Frau Salathé, was muss man sich unter Begabungsförderung an der Kanti vorstellen?

Unter Begabungsförderung verstehen wir neben dem obligatorischen Unterricht alle Angebote, die diesen übersteigen. Begabtenförderung wird seit Jahren betrieben, das Gymnasium ist ja darauf ausgelegt, Begabungen zu fördern. Neu soll das gesamte Förderpaket vermehrt gegen aussen und gegen innen sichtbar gemacht werden. Es wird geprüft, welche Lücken im Angebot bestehen, um so optimal auf die Bedürfnisse der Schüler einzugehen.

Was heisst gegen aussen sichtbar gemacht werden?

Seit diesem Schuljahr habe ich die Koordination der Förderprogramme übernommen. Eine meiner Aufgaben ist es, dafür zu sorgen, dass Schüler, Lehrer und Eltern besser über die vorhandenen Möglichkeiten Bescheid wissen. Es gibt gibt ein grosses Angebot an unserer Schule und manchmal wissen das die Schüler gar nicht. Daher werden neu z.B. alle Schüler während des 1.MAR über ihre Möglichkeiten informiert. Auf der Homepage werden die Programme, welche nicht im regulären Unterricht enthalten sind, einzeln anwählbar sein. Darauf erscheint separat eine Kurzbeschreibung, die Ziele des Angebotes, Zielgruppe und die Teilnahmebedingungen. So erhält man schneller einen Überblick. Ferner werden die Fachlehrkräfte gezielt informiert und dazu angehalten die Schüler zur Teilnahme zu ermuntern.

Welche Begabungförderung betreiben Sie selbst?

Ich leite selber kein Programm, ermuntere aber meine Schüler dazu, an Wissenschaftsolympiaden und Wettbewerben teilzunehmen. In meiner Fachschaft wird zur Zeit ein neuer Freikurs lanciert, in dem eine Gruppe Schüler selbst ein Unternehmen gründen kann und es von Kapitalbeschaffung und Produktfindung bis hin zum Marketing alles selbst an die Hand nehmen kann.

Welchen Schülern steht die Begabungsförderung offen?

Grundsätzlich sind die Programme für besonders motivierte Schüler offen. Der weitaus grösste Teil besteht aus fakultativem Unterricht und ist frei zugänglich, ausser einem gewissen Alter muss der Schüler keine Bedingungen erfüllen. Andere Kurse sind nur für Schüler offen, welche eine ausserordentliche Leistung zeigen, so zum Beispiel die zweisprachige Matur, musikalische Förderlektionen oder Diplomsprachkurse. Für eine Übersicht lohnt sich ein Besuch auf der Homepage. Wie die standardisierte Identifizierung von besonders begabten Schülern funktionieren wird, ist noch offen. Es gibt aufwändige Verfahren, um Hochbegabte zu finden, aber am Schluss widerspiegelt es sich fast immer auch in den Noten des Schülers.

Neu ist das sogenannte Schülerstudium. Schüler können an der Uni Basel Vorlesungen belegen. Welche Vorteile bringt es, Schüler an andere Bildungsinstitute zu schicken?

Ab Schuljahr 12/13 wird das SS erstmals als Pilotprojekt durchgeführt. Daher werden nur wenige Schüler aufgenommen. Es richtet sich an Schüler der 3. und 4. MAR. Sie können aus einem breiten Angebot der Uni Basel Vorlesungen auswählen, diese regulär belegen und abschliessen. Im Falle eines Studiums können sie sich so erworbene ECTS-Punkte auch anrechnen lassen. Wichtiger ist aber, dass die Mittelschüler so die Universität besser kennenlernen. Die Kanti hat grösstes Interesse an diesem Programm. Gymnasien der Kantone BS und BL haben bereits Erfahrungen mit Schülerstudenten gemacht und das Programm scheint sehr erfolgreich zu sein. Schade ist nur, dass es nur einem sehr kleinen Teil der Schülerschaft offen stehen kann.

Welche anderen Möglichkeiten haben die Schüler, die Universität besser kennenzulernen?

Es ist grundsätzlich Auftrag der Mittelschule, auf die Hochschule vorzubereiten. Die Schüler müssen auch Informationstage an Universitäten besuchen und erhalten dafür freie Tage. Allerdings sind diese Veranstaltungen darauf ausgelegt, Studenten anzuwerben und bieten niemals einen ebenso autenthischen Einblick wie ein SS. Vermehrt versuchen wir unsere Schüler auch auf Studienwochen von Schweizer Jugend forscht zu schicken, dort stehen sie in intensivem Kontakt mit Dozenten und sehen in den universitären Betrieb hinein. Bislang haben in diesem Schuljahr acht SchülerInnen an solchen Wochen teilgenommen. Es ist aber den Schülern auch anzuraten, als freie Zuhörer in Vorlesungen zu sitzen. Solche Vorhaben unterstützen wir, sind aber darauf angewiesen, dass Eltern und Fachlehrer die Schüler motivieren.

Artikel aus dem Stadtanzeiger Olten vom 26. Januar 2012 (zitiert nach der online-Ausgabe des Stadtanzeigers, www.stadtanzeiger-olten.ch)